Geburtsverletzungen im Wochenbett

Unter der Geburt sind dein Becken und deine inneren und äußeren Geschlechtsorgane großem Druck, Dehnung und Kraft ausgesetzt. Dabei können, müssen aber nicht, Geburtsverletzungen wie ein Dammriss, Schürfungen an den Schamlippen und der Vulva oder Risse in der Vagina entstehen. Manchmal wird der Damm unter der Geburt auch mit einem Schnitt versehen, um dem Kind die Geburt zu erleichtern. Diese Praxis wird heute aber meist nur noch angewendet, wenn es unbedingt notwendig ist, weil natürlich durch Risse entstehende Verletzungen in der Regel besser heilen als künstliche Schnitte mit glatten Kanten.

Der Dammriss

Beim Durchtritt des Kindes aus der Vulva wird dein Gewebe zwischen Vulva und After, der Damm, stark gedehnt. Dabei kann es reißen. Dies passiert meist an der schwächsten Stelle, die sich direkt am unteren Ende der Vulva befindet, so dass der Damm senkrecht Richtung After reißt. Ein Dammriss kann verschiedene Grade haben, die angeben, ob nur Haut und Unterhautgewebe verletzt wurden (Grad I), ob zudem auch die Dammmuskulatur selbst gerissen ist (Grad II) oder, was aber eher selten vorkommt, ob Afterschließmuskel (Grad III) oder Schleimhaut im Enddarm (Grad IV) mit gerissen wurden. Dammrisse dritten Grades treten in Deutschland bei ca. drei bis fünf Prozent der Geburten auf, viertgradige Risse entstehen sogar nur bei einer von tausend Geburten, wobei beide Verletzungen häufig im Zusammenhang mit Geburten stehen, bei denen eine Saugglocke oder Zange zum Einsatz kam.

Dammrisse, die nur die Haut und das Unterhautgewebe betreffen, werden in einigen Fällen nicht genäht und sich selbst der Heilung überlassen. Bei tieferen Rissen stellt eine schichtweise Naht sicher, dass die einzelnen Gewebeschichten richtig zusammen wachsen.

Schürfungen an den Labien und Risse in der Scheide

Durch die Dehnung, die der Durchtritt von Kopf und Schultern deines Kindes durch deine Vagina und Vulva verursacht, kann nicht nur dein Damm reißen: Auch können sogenannte Schürfungen an deinen Schamlippen (Labien), in deiner Scheide oder an deinem Gebärmutterhals auftreten.

Schürfungen an den inneren und äußeren Schamlippen sowie Risse in der Vagina müssen selten genäht werden, sondern verheilen meist schnell von selbst. Seltene Zervixrisse (Verletzungen des Gebärmutterhalses, die bei ca. einer von zweihundert Geburten vorkommen) werden nach der Geburt genäht.

Wie heilen meine Geburtsverletzungen am besten?

Geburtsverletzungen entstehen bei sehr vielen Geburten und heilen in den meisten Fällen schon im Frühwochenbett, also in den ersten zehn Tagen nach der Geburt, weitestgehend ab. Um einen Dammriss oder Dammschnitt, aber auch Risse in der Vagina und Schürfungen an deiner Vulva bei der Heilung zu unterstützen, solltest du - wenn irgendwie möglich - die Dehnung und Belastung des Gewebes an Damm und Vulva so gut es geht vermeiden.

Beim Pinkeln können die Verletzungen in den ersten Tagen des Wochenbetts zudem ein brennendes Gefühl verursachen. Das kommt vom sauren Urin, der auf die offenen Wundern trifft. Linderung kann hier ein Becher oder eine Karaffe mit lauwarmem Wasser schaffen. Diese Lösung kann beim Wasserlassen über die Vulva gegossen werden, so dass der Urin verdünnt wird und die Wunden nicht mehr so stark reizt. Alternativ kannst du auch zum Beispiel unter der Dusche pinkeln und dir vorsichtig lauwarmes Wasser über die Vulva duschen.

Du kannst die Verletzungen an deiner Vulva auch mit einer the weeks Bio-Wochenbetteinlage – on ice kühlen: Lege dafür einfach eine leicht mit Wasser befeuchtete Einlage in das Eisfach. Nach ein paar Stunden kannst du diese wieder herausholen, in ein Tuch oder einen Einmalhandschuh stecken und dir an die Vulva legen. Viel Luft ist für die heilenden Wunden auch gut.

Beruhigend auf deine Verletzungen wirken auch ein paar Tropfen Lavendel-Öl auf deiner Wochenbetteinlage sowie Spülungen mit Calendula-Essenz: Dafür mischt du dir nach Packungsbeilage eine Tinktur aus Wasser und Calendula, die du in jeder Apotheke bekommst. Diese Spülung kannst du dir entweder beim Wasserlassen oder im Anschluss direkt über die Vulva gießen. Du kannst auch ein kurzes Sitzbad in einer lauwarmen Calendula-Lösung nehmen. Wenn du kein geeignetes Gefäß dafür hast und auch keine Badewanne besitzt, hilft dir vielleicht dieser einfach Trick: Ziehe eine Plastiktüte über die Brille deiner Toilette, so dass du eine kleine Pfütze Wasser darin auffangen kannst. In diese Plastikmulde gießt du nun etwas von der lauwarmen Calendula-Lösung und setzt dich einfach auf die Klobrille.

Die Heilung deiner vaginalen Verletzungen wie Schürfungen an der Vulva oder Risse in Vagina und Damm kann einen leichten Juckreiz und auch Spannungsgefühle auslösen. Sollte sich dazu jedoch ein unangenehmer Geruch gesellen oder sogar ein weißlicher, bröckeliger Ausfluss (sofern du das unter dem Wochenfluss sehen kannst), könnte ein Pilz dahinter stecken, der behandelt werden sollte. Wende dich am besten an deiner Nachsorgehebamme oder Gynäkolog:in, um geeignete Behandlungsoptionen im Wochenbett zu besprechen.

Kann meine Dammnaht bei festem Stuhlgang wieder aufgehen?

Nein. Aber von vorn: Wenn du vor und/oder unter der Geburt Stuhlgang hattest, ist es erstmal nicht besorgniserregend, wenn du auch am zweiten Tag danach noch nicht auf der Toilette warst. Am dritten Tag sollte sich allerdings so langsam was bewegen, sagen die Hebammen. Und damit dein Stuhl besonders weich ist, kannst du neben ballaststoffreichem Essen auch mit folgenden Lebensmitteln nachhelfen: Neben den Klassikern Leinsamen und Flohsamenschalen können auch Naturjoghurt und Birne stuhlauflockernd wirken. Und natürlich viel, viel, viel trinken.

Wenn es soweit ist und du Stuhldrang hast, gib dem auf jeden Fall nach und schieb es nicht auf. Deiner Dammnaht kann nichts passieren, versprochen. Und obwohl sich das wirklich oft nicht so anfühlt, kannst du in dieser Hinsicht der Meinung aller Hebammen, die wir kennen, unbesorgt vertrauen. Wenn es sich für dich trotzdem besonders heftig anfühlt, kann es helfen, den Damm beim Stuhlgang mit einem warmen Waschlappen zu halten.

 

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