Geburtseinleitung - die Methoden im Überblick

Eines der zentralen Daten in der Schwangerschaft ist der errechnete Geburtstermin (ET). An ihm hängt sich so vieles auf - vom Beginn und Ende des Mutterschutzes über die Berechnung der Wochen und entsprechenden Tabellen für Größe und Gewicht des Kindes (dass wir uns damit einen kritischeren Umgang wünschen ist ein anderes Thema) bis zum hibbeligen Warten auf die Geburt. Dabei ist der ET eigentlich nicht viel mehr als ein sehr grober Schätzwert und in nur vier von 100 Geburten der Termin, an dem das Kind auch wirklich kommt.

Einige Babys machen sich früher auf den Weg oder werden aus gesundheitlichen Gründen geholt. Andere, gerade bei euren ersten Schwangerschaften, lassen sich ein paar Tage oder Wochen länger Zeit. Dabei werden Mutter und Baby ab der Schwangerschaftswoche 40+0 (+0 meint hier 40. Schwangerschaftswoche +0 Tage) alle zwei Tage überwacht, um mögliche Komplikationen früh erkennen zu können. Die Einleitung der Geburt wird bei unauffälligem Verlauf ab 41+0 angeboten. Laut aktueller Leitlinie zur Geburtseinleitung wird die Einleitung ab 41+3 empfohlen und ab 42+0 dringend empfohlen. Die Zeit von zwei Wochen ab ET wird Terminüberschreitung genannt, ab 42+0 sprechen Gynäkolog:innen vom Übertragen.

Und warum? Geburten werden eingeleitet, weil bei der sogenannten Übertragung des Kindes manchmal Komplikationen auftreten, die Mutter und Kind gefährden können. Dazu gehört, dass durch das immer weiter wachsende Kind die Fruchtwassermenge nicht ausreichen oder die Plazenta das Kind nicht mehr ausreichend versorgen kann oder das Kind für eine vaginale Geburt zu groß wird. Das muss alles überhaupt nicht passieren, sind aber Gründe für eine Einleitung -- und die Dinge, auf die eure Gynäkolog:in und Hebamme bei der Überwachung achten.

Und trotzdem: Es bleibt selbstverständlich zu jedem Zeitpunkt und unter allen Bedingungen eure eigene Entscheidung, ob ihr einer Empfehlung zur Einleitung nachgehen wollt. Keine Frau kann zu einer Einleitung gezwungen werden. Und wenn ihr euch dafür entscheidet, gibt es dafür nicht nur einen Weg - sondern sehr unterschiedliche Möglichkeiten, die wir euch hier aufgelistet haben.

Geburtseinleitungen zielen vor allem auf zwei Dinge ab: den Muttermund "reifen" lassen und Wehen anregen. In der Schwangerschaft ist er zum Schutz das Kindes fest verschlossen und fängt erst mit Geburtsbeginn an, sich zu entspannen und zu öffnen. Dafür werden körpereigenen Hormone, sogenannte Prostaglandine, ausgeschüttet. Für die Wehentätigkeit ist noch ein anderes Hormon relevant: Oxytocin. Dieser auch als Glückshormon bekannte Stoff wird vor allem dann ausgeschüttet, wenn du dich wohl und gut aufgehoben fühlst.

"Natürliche" Methoden der Geburtseinleitung

Bevor du von der Hebamme, Gynäkolog:in oder im Krankenhaus mit den mechanischen oder medikamentösen Methoden eingeleitet wirst, gibt es ein paar Tipps, die du vorher zu Hause ausprobieren kannst. Die Wirksamkeit ist dabei deutlich weniger gut untersucht als bei den unten beschriebenen Methoden, das nur zur Info für dich. Und auch, wenn bei einigen eine Wirkung sehr wahrscheinlich ist, sind auch immer Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Deshalb solltest du alle hier aufgezählten Methoden nur nach Rücksprache mit deiner Hebamme oder Gynäkolog:in ausprobieren.

Es gibt zwar keine gute Studienlage, aber why not: Ungeschützter Geschlechtsverkehr kann wahrscheinlich die Geburt anregen. Es wird vermutet, dass die im Sperma enthaltenen Prostaglandine die Wehentätigkeit auslösen können --  und genauso wirkt die Ausschüttung des Hormons Oxytocin in eurem Körper, wenn ihr zum Orgasmus kommt. Wegen Infektionsgefahr alleridngs lieber nicht machen, wenn die Fruchtblase schon geöffnet ist.

Wissenschaftlich belegt ist, dass die Stimulation der Brustwarzen die Geburt in Gang bringen kann. Dafür werden die Brustwarzen mit sanftem Druck über eine längere Zeit für jeweils eine Minute mit sanftem Druck massiert. Nch einer kurzen Pause über einige Minuten wieder rubbeln, kneten, zwirbeln. Und das über eine Stunde land (sagt die Wissenschaft). Muss man mögen, soll aber gut helfen: Durch die Stimulation der Brustwarzen schüttet dein Körper Oxytocin aus, ein Hormon, das die Wehentätigkeit anregt und aufrecht erhält.

Zwei alte Hausmittel, das ihr aber nur in Absprache mit eurer Hebamme anwenden solltet, sind der Rizinus-Cocktail und Nelkenöl-Tampons. Der Cocktail besteht aus einer kleinen Menge Rizinusöl, die mit Saft und Wasser gemischt wird.Auch wenn die Datenlage eher unklar ist, ist wissenschaftlich belegt, dass Rizinusöl tatsächlich Wehen anregen kann. Aber auch diverse Nebenwirkungen hat, wie zum Beispiel Durchfall, Übelkeit und starke Wehen. Es scheint außerdem nicht ganz klar zu sein, ob das Rizinusöl durch die Plazente in den Blutkreislauf deines Kindes übergeht. Also ein Hausmittel, das unter Umständen sehr wirksam sein kann, aber auch nur mit Vorsicht und unter Anleitung angewendet werden sollte.

Nelkenöltampons sollen wegen der durchblutungsfördernden Wirkung von Nelkenöl dazu beitragen, dass dein Muttermund reift. Dazu wird ein Tampon mit einer Mischung aus Nelkenblätteröl und einem neutralen Öl getränkt und in die Scheide eingeführt. Bitte, bitte sprich dich aber vor der Anwendung mit deiner Hebamme ab, nicht alle Frauen vertragen Nelkenöl. Außerdem auch hier: keine Anwendung bei offener Fruchtblase, Infektionsgefahr!

Einleitung mit mechanischen Methoden

Es gibt ein paar sogenannte "mechanische" Methoden, die bei einer Geburtseinleitung den Muttermund so stimulieren sollen, dass das körpereigene Hormon Prostaglandin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon lässt sowohl den Muttermund reifen (das heißt: macht ihn weich und durchlässig) und löst Wehen aus. Manchmal werden diese mechanischen Methoden auch mit Hormonen kombiniert (siehe nächster Abschnitt).

Die sogenannte Eipollösung wird relativ oft gemacht: hier löst deine Hebamme oder Gynäkolog:in die äußere Hülle deiner Fruchtblase vom Rand des Muttermunds mit dem Finger. Das kann auch mehrfach wiederholt werden. Der Vorteil ist, dass der Eingriff in den Geburtsverlauf relativ zurückhaltend ist und keine Medikamente eingesetzt werden. Trotz aller Vorsicht berichten aber einige Frauen -- und vor allem Erstgebärende -- davon, dass sie diese Methode als ziemlich schmerzhaft empfunden habe.

Ähmliches gilt für die Stimulation des Muttermunds mit einem sogenannten Ballonkatheter. Dies ist ein kleiner Schlauch mit zwei Ballons an der Spitze. Ein Ballon wird vor dem inneren und einer vor dem äußeren Muttermund platziert und beide werden langsam mit einer Flüssigkeit gefüllt. Ziel dieser Methode ist, dass dein Körper durch die Stimulation des Muttermunds die für die Geburt wichtigen Prostaglandine (Hormone) ausschüttet, um den Muttermund weiter reifen zu lassen und Wehen anzuregen. Studien zeigen, dass dies mit einem Ballonkatheter oft genauso gut klappt wie mit der direkten Gabe von Hormonen -- bei weniger Nebenwirkungen wie Wehenstürmen oder zu starken Wehen. Allerdings kann diese Methode durch den Druck, den die Ballons ausüben, schmerzhaft sein. Im Geburtsverlauf wird zudem manchmal noch etwas zusätzliches Oxytozin gebraucht, um mehr Wehen anzuregen oder die Wehentätigkeit aufrecht zu erhalten. Wichtig: Die Methode darf nicht angewendet werden, wenn du vorher einen Kaiserschnitt hattest.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie der Ballonkathether, aber etwas schonender ist die Methode der Geburtseinleitung mit Stäbchen. Diese werden vaginal eingeführt und vorsichtig in deinen Muttermund geschoben. Die Stäbchen sind aus einem Material, das Flüssigkeit aufsaugt und dadurch stark aufquillt. Durch diesen Druck soll der Muttermund dazu angeregt werden, zu reifen, bzw. sich weiter zu öffnen. Im Gegensatz zum Ballonkatheter kann diese Methode auch nach einem vorherigen Kaiserschnitt oder Eingriffen an der Gebärmutter zum Einsatz kommen.

Es kann auch vorkommen, dass du schon Wehen hast, die Geburt aber aus verschiedenen Gründen trotzdem beschleunigt werden soll. In diesem Fall kann die Fruchtblase geöffnet werden, indem sie (schmerzlos!) mit einem kleinen Instrument angeritzt wird. Das wird allerdings nur dann gemacht, wenn dein Muttermund schon reif ist und der Kopf deines Kindes gut liegt.

Medikamentöse Einleitung

Damit Wehen medikamentös eingeleitet werden können, muss zunächst der Muttermund reif sein. Diese Öffnung kann auch durch Medikamente beschleunigt werden, die künstliche Prostaglandine enthalten. Das sind Hormone, die als Zäpfchen oder Gel direkt auf den Muttermund aufgetragen werden.

Wenn der Muttermund schon reif ist, aber keine oder nur schwache Wehen aufreten, können dir weitere Hormone gegeben werden. Hier kommen auch nochmal Prostaglandine zum Einsatz und der klassische Wehentropf, der meist als Infusion gelegt wird und damit direkt in den Blutkreislauf der Frau gelangt. Im Wehentropf ist das Hormon Oxytozin, das eine große Rolle auch bei natürlichen Wehen spielt. Weil das Hormon hier aber eben nicht von eurem Körper produziert wurde, sondern von außen hinzugegegn wird, werdet ihr engmaschig überwacht, damit die Wehen nicht zu stark und zu häufig kommen.

Zu den Prostaglandinen gehört auch der Wirkstoff "Misoprostol", der im Jahr 2020 viel Aufsehen erregt hat. Aufsehen deshalb, weil hier das Medikament Cytotec im Einsatz war, dass ofiziell nicht für die Einleitung von Geburten zugelassen ist (sogenannter off-label use). Wichtig zu wissen: Es wurde nicht die grundsätzliche Wirkung des Medikaments in Frage gestellt, sondern vor allem die fehlenden Studien zur richtigen Dosierung des Medikaments zur Geburtseinleitung. Derzeit befinden sich aber mehrere Medikamente mit dem Wirkstoff Misoprostol in den letzten Zügen klinischer Studien für die Geburtseinleitung und werden ggf. noch im Jahr 2021 zugelassen (Stand: März 2021).

Die Einleitung mit von außen gegebenen Hormonen kann eure Geburt starten lassen oder - bei bereits begonnener Geburt - beschleunigen. Das klappt oft gut und in vielen Fällen wird das Kind innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Einleitung geboren -- es gibt aber eben auch eine ganze Reihe von Fällen, in denen es deutlich länger dauert oder gar nicht funktioniert. Und es kann natürlich auch Nebenwirkungen geben, die wir euch nicht vorenthalten wollen: Die größte Herausforderung bei der medikamentösen Geburtseinleitung ist, die Hormone so zu dosieren, dass möglichst natürliche Wehen entstehen. Das ist aber manchmal gar nicht so leicht und kann zur häufigsten Komplikation führen: dem Wehensturm. Hier entstehen Wehen, die eventuell stärker sind und oft ohne die wichtigen Pausen dazwischen ablaufen. In der Folge können bei der Frau starke Schmerzen und Herzrasen und beim Kind unregelmäßige Herztöne auftreten. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Fieber und ein zu geringer Blutdruck. Sehr selten (seltener als bei 1 von 1000 eingeleiteten Geburten) kann es zu einer Fruchtwasserembolie oder einem Riss der Gebärmutter kommen.

Never forget: Eure Geburt, eure Entscheidung

Wir wollen euch in diesem Artikel objektiv über die Einleitung der Geburt informieren, damit ihr selbstbestimmte Entscheidungen treffen könnt. Darum schreiben wir hier auch auf, dass eine Einleitung eben immer auch ein Eingriff in den natürlichen Geburtsablauf ist - wollen euch damit aber auf keinen Fall davon abraten. Denn auch wenn eine eingeleitete Geburt, gerade mit Medikamenten, womöglich anders verläuft als ihr euch das vielleicht gewünscht habt (dauerhaft ein CTG am Bauch, obwohl es mittlerweile tolle mobile Alternativen gibt, mit denen ihr auch herumlaufen könnt; oft ein Zugang für die Medikamente im Handrücken; öfter vaginale Untersuchungen unter der Geburt; und häufigerer Einsatz von Betäubungen wie PDAs), kann es trozdem ein schönes und selbstbestimmtes Erlebnis werden, in dem ihr viele Entscheidungen treffen und mitgestalten könnt.

 

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