Babyblues und Heultage

Babyblues und Heultage: Viele Tränen im Wochenbett

Nach der Geburt und dem Abgang der Plazenta verändern sich die Hormonspiegel in deinem Körper ziemlich schnell und manchmal auch schlagartig. In den ersten Tagen sind einige Frauen noch high auf körpereigenen Endorphinen und fühlen sich als könnten sie trotz des Geburtserlebnisses Bäume ausreißen. Schon ein paar Tage später ändert sich dieser Zustand aber meist rasant und es fließen viele, viele Tränen. Einige Frauen berichten auch von einer Traurigkeit oder Melancholie, sind manchmal irritiert von ihrem Baby, labil und überfordert mit der gesamten Situation und weinen viel. Es können darüber hinaus große Sorgen (meist um das Kind), stärkere Ängstlichkeit und Reizbarkeit, eine gewisse Ruhelosigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten.

Das ist ziemlich normal und hat ganz viele verschiedene Namen wie Heultage, Baby Blues und postpartales Stimmungstief. Hormonell bedingt entstehen diese Tage meist um den dritten bis fünften Tag nach der Geburt, wenn dein Endorphinspiegel sinkt. Zusätzlich fällt dein Progesteronspiegel sowie dein Östrogen - Hormone, die in der Schwangerschaft für ein eher ausgeglichenes Gemüt gesorgt haben. All das passiert aber nicht immer so geordnet, wie es hier erscheinen mag, sondern geht ziemlich drunter und drüber und ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

Dieses ganze Hormonchaos entfaltet sich außerdem inmitten deiner neuen Lebensumstände. Du hast vielleicht krassen Schlafmangel, Schmerzen von den Geburtsverletzungen und deinem sich zurückbildenden Körper und bist emotional von der Geburt, dem Ende deiner Schwangerschaft und deinem Kind überwältigt; all das ist heftig und viel und da muss man einfach manchmal (oder immer) weinen. Und dafür braucht es überhaupt keine triftigen Gründe, sondern oft nur klitzekleine Dinge, die aber alle Schleusen öffnen: Der Freund, der dir eine liebe Nachricht schreibt, die viel zu lieb ist: und du weinst. Die Partnerin, die dir ein Eis mitbringt, aber leider die falsche Sorte: und du weinst. Die Calendula-Essenz, die dir die Hebamme empfohlen hat und die du jetzt auch noch mit Wasser mischen musst, wie soll man das nur schaffen: und du weinst. Und dein hilfloses Baby, so klein und zart und nicht mehr in deinem Bauch, so schön und traurig zugleich: und du weinst. Und wir weinen mit dir, alle Tränen dieser Welt.

Zum Glück hält dieser Zustand oft nur wenige Stunden oder Tage an und vergeht ohne weitere Behandlung von selbst. Je nach Studie sind 50-80% aller Frauen von dieser Verstimmung betroffen, die, weil sie meist schnell wieder vergeht, nicht als Krankheit eingestuft wird. Aus unserer Sicht ist deswegen nichts zu tun, außer deinen Tränen einfach freien Lauf zu lassen und Verständnis von deinem Umfeld einzufordern. Dabei kann helfen, den Menschen, die dich im Wochenbett begleiten, vorher von diesen Tagen zu erzählen, damit du dich weinend nicht auch noch erklären musst. Und auch gut zu wissen: Nicht alle Frauen empfinden die hormonelle Umstellung als so intensiv, an einigen geht sie sogar mehr oder weniger spurlos vorüber. Andere jedoch kommen auch nach ein paar Tagen nicht aus dem hier von uns so launig beschriebene Baby Blues nicht heraus.

Was ist eine Wochenbettdepression?

Wenn sich die Traurigkeit im Wochenbett manifestiert und auch nach ein paar Tagen noch nicht wieder verschwunden ist, kann eine Wochenbettdepression (postpartale oder postnatale Depression) dahinter stecken. Dieser Begriff umfasst alle depressiven Erkrankungen, die in den ersten beiden Jahren nach der Geburt auftreten.

Leider kann die Diagnose schwierig sein, weil die Krankheit sich schleichend entwickelt und Symptome nicht immer klar zuordenbar sind. Grundsätzlich verhält sich eine postnatale Depression ähnlich wie eine depressive Erkrankung, die unabhängig von der Geburt eines Kindes auftritt. Es gibt jedoch einige Besonderheiten, die von betroffenen Frauen und auch deren Partner:innen, die ebenso an einer postpartalen Depression erkranken können, wie folgt beschrieben werden: starke emotionale Labilität, ambivalente Gefühle für das eigene Kind bis hin zur Gefühllosigkeit, übermäßige Ängstlichkeit und Sorge um das Kind, Versagensängste und starke Gedanken und Zweifel an der eigenen Fähigkeit als Mutter, Zwangsgedanken und Stillprobleme. Symptome, die auch bei anderen depressiven Erkrankungen auftreten können, sind ein Gefühl der inneren leere, das von starker Traurigkeit begleitet wird, allgemeine Hoffnungslosigkeit, Energiemangel und Teilnahmslosigkeit. Es können darüber hinaus auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Schmerzen und Beschwerden am Herzen, extreme Reizbarkeit, Taubheitsgefühle vor allem in Händen, Füßen, Armen und Beinen auftreten. Betroffene berichten weiterhin von sexueller Unlust, Zittern, Konzentrationsstörungen, Schlafbeschwerden, Schwindel, Ängsten und Panikattacken. 

Wir beschreiben die möglichen Symptome einer solchen Erkrankung hier so genau, weil wir dich ermutigen wollen, offen über deine Gefühle und körperlichen Beschwerden zu sprechen. Wir wissen, dass es leider manchmal nicht leicht ist, sich nach der Geburt anderen mit möglichen negativen Gefühlen anzuvertrauen. Wir wollen dir nur sagen, dass du nicht alleine bist: 10-15% der Frauen und 5% der Partner:innen sind von einer manifesten Wochenbettdepression betroffen.

Wenn du mit jemandem sprechen möchtest, dich aber weder deinem Umfeld, noch deinen Ärzt:innen und Hebammen anvertrauen möchtest, sind diese Hilfs- und Beratungsangebote vielleicht etwas für dich:

Wochenbettdepression-Hotline: 01577 / 47 42 654

Die Hotline ist Montag bis Freitag von 08:30 bis 18:00 zu erreichen! Weitere Infos dazu gibt es auch hier.

Weitere Infos und Selbsttests

Hier findet du eine Liste der Berater:innen des Vereins, die auch abends und am Wochenende angerufen werden können. Auf der Website des Vereins findest du außerdem weiterführende Informationen.

Du glaubst, dass du vielleicht eine Wochenbettdepression hast? Die Website smart moms, die von Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf entwickelt wurde, bietet einen kostenlosen Selbsttest und viele weitere Informationen und Anlaufstellen rund ums das Thema an.

 

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